Damals

Das war Alt-Griesbach:
Um die Zeit, wenn die Volksfeste und Kirchweihfeiern vor der Tür stehen, denkt man gerne zurück an die Musikkapelle von Karl Pritzl
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Die Oberländer Trachtenkapelle

Karl Pritzl


Insbesondere erinnere ich mich an die schneidigen Märsche und Potpourris im Schwaimer-Bierzelt beim Karpfhamer Fest. Zu vorgerückter Stunde gestalteten die Mitwirkenden der Kapelle lustige musikalische Einlagen wie: »Henderl bi bi, Henderl ba ba«, oder der Auftritt »Die lustigen Rekruten« sowie Jobst Loisl mit der Klarinette, wenn er aufgezogen wurde und in schwindelnder Höhe den Klarinetten-Muckl spielte. Als Abschluss des Tages kam noch die »Graf Zeppelin-Fahrt« begleitet mit einem flotten Marsch der Kapelle.

Von diesen Erlebnissen geleitet darf ich Ihnen, verehrte Leser, mit Erlaubnis der Familie das zurückliegende Leben des Musikmeisters schildern.

Am 13. April 1893 wurde Karl Pritzl in Griesbach als Sohn des Schneidermeisters Paul Pritzl geboren. Er besuchte die örtliche Volksschule und fand damals schon Gefallen am Zitherspielen, einer Begabung, die sein späteres Leben prägen sollte.

Als junger Mann musste er zwei Weltkriege erleben. Im 1. Weltkrieg war er im Kessel von Verdun eingeschlossen und einem Zufall hatte er es zu verdanken, dass er die Heimat wie­dersehen konnte. Beim Abzug der letzten Transporter rief ein Kriegskamerad vom Lkw herunter: »Das ist ja der Pritzl Karl - für den haben wir schon noch einen Platz«. Damals bereits war er beim Musikkorps und konnte beim Militär die erforderlichen Prüfungen zum Musikkapellmeister ablegen.

Nach den Kriegswirren versuchte er sich im elterlichen Handwerk, dem Schneidern, und war auch als Kassier für die Gemeinde tätig.

Im Jahre 1919 vermählte er sich mit seiner Frau Berta, geb.Wiesinger, und gründete 1928 das heute noch bestehende, alteingesessene Schreibwarengeschäft in Griesbach. Aus der Ehe gingen 3 Töchter (Mariele Hirschmann, Bertl Stellmach und Anny Straßberger) hervor. Doch schon bald sollte die zweite Katastrophe folgen, der 2. Weltkrieg. Trotz seines Alters von 45 Jahren wurde er noch eingezogen, musste aber nicht mehr Kriegsdienst leisten, sondern wurde als Hilfspolizist in Kößlarn eingesetzt, wo er bei Kriegsende schließlich - für einige Stunden - in amerikanische Gefangenschaft geriet. Ein Sprung vom Lkw am Thanhamer Berg ersparte ihm schließlich das Schicksal so vieler Kriegsgefangener.

Dank seiner Qualifikation als Musikkapellmeister gründete er kurz nach dem Kriege die »Original Oberländler Kapelle«, die er viele Jahre hindurch leitete. Vielen Griesbachern sind noch seine Auftritte in Griesbach, der näheren Umgebung, aber auch im benachbarten Ausland (Welser Messe etc.) in Erinnerung. Er gab Hausunterricht im Zitherspiel, der Trompete und Geige und komponierte selbst einige Märsche und andere Werke. Im Jahre 1968 verstarb er im 79. Lebensjahr im Krankenhaus Neuötting.

F. Hinterdobler

(Bad Griesbacher Kurmagazin, Ausgabe 9/2001)